Spinnradtechnik - ein bisschen muss sein

Habt Ihr Euch den Filz eingefangen? Völlig verwebt? Im Kardenband verheddert?
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Spinnradtechnik - ein bisschen muss sein

Beitragvon Beyenburgerin » 13.02.2007, 13:32

Hier ein paar Tipps, wie man ein Spinnrad "am Laufen" hÀlt:

Es ist wichtig, dass die beweglichen Teile ausreichend gefettet sind. Wenn Spinnradteile sich bewegen entsteht Reibung und damit eine erhöhte Temperatur. Außerdem muss man fester treten, je höher die Reibung ist. Als Fett sind z.B. NĂ€hmaschineöl oder technische "Schmierfette" geeignet. Vaseline ist NICHT geeignet. Vaseline braucht keine hohe Temperatur, ummallzu flĂŒssig zu werden und "wegzulaufen" und verklebt dann irgendwo, wenn sie wieder abkĂŒhlt. FĂŒr das NĂ€hmaschineöl sollte man sich in der Apotheke eine Spritze mit Nadel kaufen, die sind sehr preiswert und damit kommt man besser an die zu fettenden Stellen.

Hier nun ein paar einfÀdige Spinnradtypen mit Hinweisen zur Schmierung:

Der SpinnflĂŒgel sollte an dem vorderen und hinteren Auflagepunkt geschmiert werden.

Mit der Bremse stellt man ein, wie stark ein Faden eingezogen wird. Ist die Bremse sehr locker, dann wird der Faden nicht stark eingezogen, ist sie recht fest angezogen, dann zieht das Spinnrad krÀftig ein.

Bild

Hier ein Rad mit SpinnflĂŒgelbremse (Christas Rad). Ganz links liegt ein Lederriemen ĂŒber der SpinnflĂŒgeleinheit, den man mittels der Schraube fester ziehen oder lösen kann. Obwohl man hier bremst, muss dennoch der Bereich um den SpinnflĂŒgel gefettet werden, also unterhalb des Leders. Das Fett verteil sich, wenn der SpinnflĂŒgel sich dreht.
In der Mitte des SpinnflĂŒgels ist eine Metallstange, auf die man die Spule aufschiebt. Viele hollĂ€ndische RĂ€der brauchen zusĂ€tzlich eine DistanzhĂŒlse auf dieser Achse, das ist das klaine weiße Kunststoffteil rechts zwischen Spule und Holz. Es muss nach jedem Spulenwechsel wieder auf die Achse geschoben werden. Rechts lagert die SpinnflĂŒgelachse in einem Kunststofflager, hier sollte ein Tröpfchen Öl hin, ebenso wie auf die Achse selber, damit sich die Spule leichtgĂ€ngig drehen kann.
Die Spulen moderner RĂ€der haben alle Lager, Materialien sind Metall, Kunststoff oder Leder. Ich finde Kunststoff am besten. Ausnahme: Christas Rad, da laufen die Spulen auf Spezialmetall, nĂ€mlich auf Sinterlagern aus Sinterbronze, das Feinste, was man an Lager bekommen kann. DafĂŒr muss man sie sehr exakt auf die Achsen aufsetzen.

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Hier eine schottische Bremse. Ein Faden, in diesem Fall Nylon, liegt ĂŒber dem hinteren/rechten Teil der Spule. Der Faden besitzt links und rechts von der Spule Federn, damit die Spule sauber lĂ€uft. Man kann die Spannung dieses Fadens an dem Holzknopf links unten verstellen.



Bild

Der Querbalken, auf dem das Trittbrett aufliegt, sollte an den Seiten wo er in die Beine geht geschmiert werden. In diesem Fall liegen die Metallstifte links und rechts sogar in Kunststofflagern (Christas Rad)


Bild

Hier kann man eine Form sehen, wie SchwungrĂ€der auf dem Spinnrad aufliegen (Klengelchens Rad). Die Schwungradachse steht zu beiden Seiten ĂŒber. Bei Ă€lteren RĂ€dern liegt diese Direkt auf dem Holz auf, dort sollte man Schmierfett benutzen. Bei diesem Rad sind MessinghĂŒlsen als Lager auf die Achse aufgesetzt. In den Messinglagern ist ein kleines Loch, in das man Öl trĂ€ufeln sollte.

Kugelgelagerte Schwungradachsen mĂŒssen NICHT gefettet werden.

Bild

Hier die SpinnflĂŒgeleinheit von Klengelchens Rad. Zwischen Lederlager und Metall sollte geschmiert werden, ebenso in dem Lederlager hinten, wo die SpinnflĂŒgelachse aufliegt. Das Rad hat auch eine schottische Bremse, hier mit einer Hanfschnur, die mit dem Holzstift angezogen oder gelöst wird.

Fotos von mir
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Beyenburgerin
 

Kardiermaschinentechnik

Beitragvon Beyenburgerin » 29.04.2007, 12:20

Mittlerweile beschĂ€ftige ich mich auch mit Kardiermaschinen, wir haben eine Louet fĂŒrs WĂŒlfing-Museum repariert. Wer ihre eigene Kardiermaschine Marke Louet mal auseinander nehmen und z.B. reinigen möchte findet hier vielleicht wertvolle Tipps, ich habe extra viele Bilder gemacht, nachzulesen in meinem Blog:

Klick hier

Ich hoffe das ist ok, wenn ich hier eine Link reinsetze, wenn nicht dann bitte Bescheid sagen.

Bitte die Links verkĂŒrzt einstellen, es zerreisst sonst die Tabellen, LG meermaid
Beyenburgerin
 

Re: Spinnradtechnik - ein bisschen muss sein

Beitragvon minitaus » 24.11.2010, 12:18

Vielen Dank! Ich spinne zwar schon sein 1982 aber einige deiner Hinweise waren sehr hifreich! :-)
minitaus
 

Re: Spinnradtechnik - ein bisschen muss sein

Beitragvon Spinnchen » 10.07.2011, 22:22

Es ist zwar schon eine ganze Weile her, seit du den Beitrag geschrieben hast, Beyenburgerin, aber auch von mir ein herzliches Dankeschön!

Ich habe mein Louet gebraucht gekauft und wusste nicht einmal, dass es so viele Stellen gibt, die geölt werden sollten. Morgen besorge ich mir eine Spritze und schreite endlich zur Tat :-)

Das und ein stĂ€rkeres Lockern der Bremse sorgt dann hoffentlich dafĂŒr, dass es ein wenig leichter und "runder" lĂ€uft. Man darf ja hoffen ;-)

Lieben Gruß,
Melanie
Spinnchen
 
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